Orientierung
Wo bin ich? Wo soll ich hin? Wer ist dabei? Wo gehören Dinge hin? Gut erkennbare Bereiche, feste Plätze und visuelle Hinweise können Antworten geben, ohne dass alles mündlich erklärt werden muss.
Autistische Kinder und Jugendliche nehmen Situationen unterschiedlich wahr, verarbeiten Informationen auf eigene Weise und kommunizieren nicht immer so, wie ihr Umfeld es erwartet. Unterstützung beginnt deshalb mit genauer Beobachtung und einer einfachen Frage: Was fehlt gerade, damit die Situation verständlicher und bewältigbar wird?
Rückzug, Ohrenzuhalten, wiederholte Bewegungen, Schweigen, Unruhe oder eine starke Ablehnung können Hinweise auf Überlastung, fehlende Orientierung oder eine unklare Anforderung sein. Dasselbe sichtbare Verhalten kann bei zwei jungen Menschen unterschiedliche Gründe haben.
Wir schauen deshalb nicht nur darauf, was passiert, sondern auch auf Geräusche, Licht, Gerüche, Berührungen, Sprache, Zeitdruck, soziale Erwartungen und Veränderungen im Ablauf. Daraus entsteht eine Unterstützung, die zur einzelnen Person und zum konkreten Alltag passt.
Sondern zuerst: Fehlen gerade Orientierung, eine verständliche Handlung, Vorhersehbarkeit oder eine Möglichkeit zur Regulation?
Wo bin ich? Wo soll ich hin? Wer ist dabei? Wo gehören Dinge hin? Gut erkennbare Bereiche, feste Plätze und visuelle Hinweise können Antworten geben, ohne dass alles mündlich erklärt werden muss.
Ein allgemeines „Mach weiter“ reicht oft nicht. Wir teilen Tätigkeiten in erkennbare Schritte, zeigen Anfang und Ende und klären, was jetzt konkret getan werden kann.
Was passiert zuerst, was danach und wie lange dauert es? Pläne, Bildkarten, sichtbare Zeitangaben und angekündigte Veränderungen können Unsicherheit verringern.
Manchmal braucht es weniger Reize, Abstand, eine Pause, Bewegung oder einen Rückzugsort. In einer akuten Überlastung reduzieren wir Anforderungen und Sprache, statt neue Erklärungen hinzuzufügen.
Ein flackerndes Licht, mehrere Gespräche, ein ungewohnter Geruch, eine leichte Berührung oder das Gefühl von Hunger können sehr stark, sehr schwach oder erst spät wahrgenommen werden. Gleichzeitig kann es schwer sein, aus vielen Einzelheiten schnell das Wesentliche herauszufiltern.
Darum prüfen wir, ob die Umgebung übersichtlicher werden kann, ob Informationen nacheinander statt gleichzeitig kommen und ob mehr Verarbeitungszeit hilft. Stärken wie Detailgenauigkeit, Mustererkennung, Logik, Ausdauer oder besondere Interessen beziehen wir ein, ohne daraus ein starres Bild von Autismus zu machen.
Gesprochene Sprache ist nicht die einzige Form von Kommunikation. Blick, Bewegung, Abstand, Wiederholungen, Bilder oder ein Kommunikationsgerät können wichtige Informationen tragen. Ein Nein wird gehört, auch wenn es nicht als vollständiger Satz ausgesprochen wird.
Beim Schulweg, beim Betreten eines Gebäudes oder beim Wechsel von einer Aufgabe zur nächsten verändern sich Reize, Regeln, Personen und Erwartungen gleichzeitig. Wir bereiten deshalb nicht pauschal „Veränderung“ vor, sondern klären die konkreten Fragen der Situation.
Was endet? Was kommt danach? Wer begleitet? Was bleibt gleich? Veränderungen werden so früh und so konkret wie möglich angekündigt.
Ein sichtbarer Ablauf, ein vereinbarter Wartepunkt oder ein vertrauter Gegenstand kann den nächsten Schritt erkennbar machen.
Wir prüfen, was tatsächlich geholfen hat. Unterstützung wird angepasst und nur dort reduziert, wo Orientierung auch ohne sie verlässlich gelingt.
Die Fortbildungsreihe verbindet fachlichen Input, Selbstreflexion, Übungen und Fallarbeit. Die Module bauen aufeinander auf, können aber auch einzeln gebucht werden.
Modul 1Individuelle Wahrnehmungsprofile, Informationsverarbeitung, Stärken, Belastungen und ein genauerer Blick auf sichtbares Verhalten.
Modul 2Unterschiedliche Kommunikationsweisen erkennen, Sprache verständlicher gestalten und Kontakt ohne unnötigen Druck ermöglichen.
Modul 3Räume, Zeit, Aufgaben und Wechsel so gestalten, dass Anfang, Ablauf und Ende leichter erkennbar werden.
Modul 4Auslöser und Funktionen von Verhalten untersuchen, Anforderungen reduzieren, Regulation unterstützen und Situationen gemeinsam auswerten.
Marion Allmeroth-Sonntag und Linda Albrecht kümmern sich bei Mitleben um den Fachbereich Autismus. Sie sind Ansprechpersonen für die fachliche Einordnung unserer pädagogischen Arbeit und für die Fortbildungsreihe.
Fachbereich Pädagogik / Autismus
allmeroth-sonntag@mitleben.berlin
Kunsttherapeutin, Fachbereich Autismus
albrecht.l@mitleben.berlinDie Seite beschreibt pädagogische Unterstützung im Rahmen unserer bewilligten Leistungen. Eine medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik und Behandlung findet bei den dafür zuständigen Fachstellen statt.